Überlegungen zum Bahnhalt in der Au

Was bringt uns ein Bahnhalt an der Strecke der Pfaffenwinkelbahn in der Au?

 

Schon seit Jahren gibt es Überlegungen für einen Bahnhalt im Weilheimer Süden mit dem Ziel der Erschließung des Gewerbegebiets am Trifthof und der Möglichkeit, Bahnpendler aus Richtung Süden und Südwesten mit ihren Autos schon vor den Toren der Stadt auf einem P&R-Parkplatz abzufangen und in den Zug umsteigen zu lassen. Auch wir Bürger für Weilheim spielen schon lange mit diesem Gedanken, der Haltepunkt müsste aber an der Werdenfelsbahn liegen.

Nun startet das Bayerische Innenministerium, zuständig auch für Verkehrsbelange, eine Initiative für Bahnnebenstrecken, deren Attraktivität durch die Einrichtung einer Vielzahl zusätzlicher Haltepunkte in ganz Bayern gesteigert werden soll. Sowohl die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG, Innenministerium) als auch die Deutsche Bahn AG sieht für einen Haltepunkt der Pfaffenwinkelbahn im Weilheimer Süden einen Bedarf und beziffert diesen mit ca. 350 Fahrschülern, Bewohnern des Siedlungsschwerpunkts im Weilheimer Südwesten, deren Zahl sich mit der Wohnerschließung des Dietmayr-Angers noch einmal erhöhen wird, und mit Personen, deren Zielpunkt im Weilheimer Süden liegt. Der Freistaat Bayern würde im Rahmen der Initiative allerdings nur den Bahnsteig errichten, für die Infrastruktur wie Zuwegung, Parkplätze Fahrradständer, Toilette, Stadtbusanschluss, etc. müsste die Stadt Weilheim sorgen und aufkommen (grobe Schätzung bis zu 500.000€). Auch die Weilheimer Agenda und Pro-Bahn, eine Interessensvertretung der Bahnnutzer, sehen den Bedarf und erwarten darüber hinaus zukünftig eine  Veränderung im Verkehrsverhalten der Bürger. Ihre Einschätzung, dass für eine ausreichende Sinnhaftigkeit auch das Fahrgast-potential des Gewerbegebiets Trifthof mit erschlossen werden müsste, teilen auch die BfW und alle anderen Stadtratsfraktionen.

Doch wie sieht der Bedarf für den Bahnhaltepunkt in der Realität aus, wie ist die objektive Situation? Wie der Direktor des Weilheimer Gymnasiums auf einer Diskussionsveranstaltung ausführte, kommen alle Fahrschüler aus Peißenberg mit dem Bus zum Gymnasium.  Sie können so an Haltestellen in der Nähe ihrer Wohnstätten zusteigen und werden direkt zur Schule gefahren. Zur Weilheimer Realschule sind aus Richtung Peißenberg keine Fahrschüler zu erwarten, da diese Schulart  dort auch vertreten ist. Verbleiben noch potentielle Nutzer aus Richtung Dießen, Raisting (Wielenbach hat ja leider keinen Bahnhof mehr). Da allerdings auch Dießen mittlerweile ein Gymnasium besitzt, ist der Bedarf aus dieser Richtung ebenfalls nicht besonders hoch anzunehmen. Gemäß einer Umfrage der Schülermitverwaltung der Realschule ist das Interesse der Realschüler an dem Haltepunkt gering, viele Schülerinnen würden nach wie vor den Weilheimer Bahnhof bevorzugen, da sie sich dort beim  Warten auf den Zug sicherer fühlten.                                                                                                              

Bei am Trifthof Beschäftigten aus Richtung Peißenberg und Hohenpeißenberg sieht es ver- mutlich ähnlich aus wie bei den Gymnasiasten. Die Wohngebiete in den genannten Orten sind meist so weit von den Bahnhöfen entfernt, dass eine Fahrt zum jeweiligen Bahnhof, die Bahnfahrt und der Weg vom Weilheimer Bahnhaltepunkt zur Arbeitsstätte die Fahrt von und zur Arbeit zeitlich wesentlich verlängern würden. Mit dem Auto ist der Trifthof von Peißen-berg aus in wenigen Minuten erreichbar und Parkplätze stehen an den Betrieben in der Regel ausreichend zur Verfügung. Bei Beschäftigten aus den Bereichen Dießen oder Raisting gestaltet sich die Situation eher etwas günstiger. Für München-Pendler aus den Wohngebie-ten im Weilheimer Südwesten hingegen ist die Nutzung wieder eher uninteressant. Wer steigt schon in der Au in den Zug aus Richtung Schongau, um 800 Meter weiter auf die Werdenfelsbahn umzusteigen, vor allem bei den damit verbundenen Anschlussrisiken und dem eigentlich kurzen Weg zum Bahnhof. Bei Pro-Bahn besteht allerdings die Hoffnung, dass es zukünftig einmal durchgängige Züge von Schongau in Richtung München geben könnte. Diese Option erscheint bei der dichten Taktung auf der eingleisigen Werdenfelsstrecke aber nur nach einer Ertüchtigung mit einem zweiten Gleis als realistisch. Das ist dann wohl  doch eher ferne Zukunftsmusik.

Grundsätzlich ist uns Bürgern für Weilheim der Ausbau des ÖPNV sehr wichtig, um mit einem verbesserten Angebot Anreize  zur Nutzung alternativer Verkehrsmittel zu schaffen. Um beim Bahnhalt in der Au wirklich einen positiven Effekt zu erhalten, müsste allerdings ein umfangreiches Gesamtpaket an Infrastruktur geschnürt werden. Damit das Fahrgast-potential voll ausgeschöpft werden kann, muss unbedingt eine Verbindung zum Trifthof hergestellt werden, egal ob der Bahnsteig nun im Westen, wie momentan geplant, oder im Osten im Zwickel der Bahnlinien gebaut wird, wie von Pro-Bahn  gefordert. Zu diesem Zweck  könnte eine Fußgänger- und Fahrradunterführung mit Kosten von grob geschätzt 500 000€ gebaut werden. Als Alternativlösung könnte eine Wegführung im Zwickel der Gleise vom Trifthof zum Bahnübergang mit zusätzlicher Schrankenanlage für die Fußgänger und Radler errichtet werden. Beide Einrichtungen würden auch ohne Bahnhalt der besseren Erschließung des Trifthofs dienen und die derzeitige Situation mit gefährlichen Querungen der Garmischer Bahnlinie entschärfen.

Wenn man die genannten Infrastrukturmaßnahmen für ein sinnvolles Funktionieren tatsächlich umsetzen würde, müsste man also voraussichtliche Kosten von etwa 1Mio EURO ansetzen. Es soll nun noch einmal mit dem Innenministerium und der Bahn darüber gesprochen werden, ob die angeführten Erschließungsvarianten für einen Zugang zum Trifthof genehmigungsfähig wären und wie es mit einer Kostenübernahme dafür aussieht.

Erst wenn alle Informationen vorliegen, kann eine endgültige Entscheidung zum Thema Bahnhalt in der Au getroffen werden. Für die Abwägung sollte eine sorgfältige Kosten/Nutzen Analyse  zu Grunde gelegt werden, denn nur wenn möglichst viele Weilheimer den Bahnhalt auch nutzen können, ist es gerechtfertigt, dass alle Weilheimer ihn bezahlen.