Archiv für den Monat: März 2016

Leserbrief von Brigitte Holeczek

Leserbrief von Brigitte Holeczek

Entscheidung basiert auf Fakten

 

Der Leserbrief von Herrn Dr. Stüber bedarf bezüglich den Aussagen zur Häufigkeit von Baumfällungen und zu Einzelmaßnahmen einer Korrektur.

Die Bäume auf städtischem Grund werden das ganze Jahr über von unabhängigen Fachleuten sorgfältig begutachtet und ihr Zustand dokumentiert. Dass nun, scheinbar vermehrt, Bäume gefällt wurden, die aus unterschiedlichen Gründen leider nicht zu erhalten waren, ist der Tatsache geschuldet, dass dies nur in einem bestimmten Zeitfenster geschehen darf, zum Schutz der brütenden Vögel.

Die Pappeln an der Kanalstraße haben regelmäßig Äste in unterschiedlichen Größen abgeworfen. Bislang konnten sie das auch ungehindert tun, da sie sich auf dem Grundstück des Bauhofs befanden. Mit der Bebauung dieses Areals wird die Fläche für die Öffentlichkeit zugänglich. Ihrer Fällung wurde nicht wegen der Planung, sondern wegen der Verkehrssicherungspflicht zugestimmt. Ein Ausgleich für sie wird in der Grünordnung festgesetzt.

Die Trauerweide an der Stadtmauer war auf Grund einer unsachgemäßen Schnittmaßnahme irgendwann ihres Leittriebs beraubt worden. Der Baum entwickelte  dadurch einen ausladenden Kronenwuchs. Durch die damit verbundenen Hebelwirkungen bestand die Gefahr eines unkalkulierbaren Baumbruchs. Laut Gutachterin hätte die Weide selbst mit Sicherungsmaßnahmen im Kronenbereich nicht mehr gerettet werden können.

Auch ich bin natürlich für den Erhalt städtischer Bäume. Meine Entscheidungsfähigkeit basiert aber diesbezüglich auf den Fakten und orientiert sich nicht an Vermutungen.

Übrigens zum Trost, Herr Kollege, neben Stacheln hat ein Kaktus auch wunderschöne Blüten!

 

Brigitte Holeczek

Stadträtin

Bürger für Weilheim

informieren – entscheiden – erklären

informieren – entscheiden – erklären

Wer schon einmal eine Stadtratssitzung besucht hat, der wird vermutlich erstaunt beobachtet haben, in welcher Geschwindigkeit die meisten Tagesordnungspunkte beraten und verabschiedet werden. Nur manchmal treten Meinungsverschiedenheiten zwischen den Stadträten auf, die dann für den Außenstehenden mehr oder minder verständlich diskutiert werden.

Als „neuer“ Stadtrat hat es mich einige Mühe gekostet, zu verstehen wie in diesem Gremium Entscheidungen getroffen werden. Doch nach einiger Zeit habe ich verstanden: Der Schlüssel zu allen Entscheidungen sind Informationen.

Ich habe gelernt wie wichtig es ist, sich vor einer Entscheidung umfassend zu informieren. Neben dem Studium der umfangreichen Unterlagen, die jeder Stadtrat von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt bekommt, versuche ich mit möglichst vielen Menschen zu sprechen und unvoreingenommen die unterschiedlichen Meinungen zu diskutieren.

Der Meinungsaustausch innerhalb der Fraktion, mit der ich mich regelmäßig vor jeder Sitzung treffe und die Diskussion innerhalb des Vereins Bürger für Weilheim helfen mir bei der Meinungsbildung. Auch das offene Gespräch mit Stadträten anderer Fraktionen ist mir dabei sehr wichtig. Nur wer sich nach Abwägung aller verfügbaren Informationen eine Meinung bildet, kann Richtig entscheiden.

Leider bleiben für Zuhörer und Zeitungsleser oft wichtige Informationen, die maßgeblich für eine Entscheidung waren, auf der Strecke. Das führt dazu, dass Bürger unzufrieden mit der Arbeit des Stadtrates sind und das Gefühl entsteht, dass gegen das Wohl der Stadt entschieden wurde.

Es ist nicht nur Aufgabe der Stadträte sich zu informieren und Entscheidungen zu treffen, sondern auch diese zu erklären. Das ist mühsam, oft nicht einfach und ohne direkte Kontakt mit den Bürgern sogar unmöglich. Ich möchte es aber trotzdem versuchen, denn nur so kann es gelingen, der Politikverdrossenheit in der Bevölkerung entgegen zu wirken.

Und nur so kann es gelingen wieder mehr junge Menschen für die Politik in ihrer Stadt zu interessieren. Die Gruppe der 18- bis 40-Jährigen ist im Stadtrat kaum vertreten – das muss sich ändern. 

 Florian Lechner

Überlegungen zum Bahnhalt in der Au

Was bringt uns ein Bahnhalt an der Strecke der Pfaffenwinkelbahn in der Au?

 

Schon seit Jahren gibt es Überlegungen für einen Bahnhalt im Weilheimer Süden mit dem Ziel der Erschließung des Gewerbegebiets am Trifthof und der Möglichkeit, Bahnpendler aus Richtung Süden und Südwesten mit ihren Autos schon vor den Toren der Stadt auf einem P&R-Parkplatz abzufangen und in den Zug umsteigen zu lassen. Auch wir Bürger für Weilheim spielen schon lange mit diesem Gedanken, der Haltepunkt müsste aber an der Werdenfelsbahn liegen.

Nun startet das Bayerische Innenministerium, zuständig auch für Verkehrsbelange, eine Initiative für Bahnnebenstrecken, deren Attraktivität durch die Einrichtung einer Vielzahl zusätzlicher Haltepunkte in ganz Bayern gesteigert werden soll. Sowohl die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG, Innenministerium) als auch die Deutsche Bahn AG sieht für einen Haltepunkt der Pfaffenwinkelbahn im Weilheimer Süden einen Bedarf und beziffert diesen mit ca. 350 Fahrschülern, Bewohnern des Siedlungsschwerpunkts im Weilheimer Südwesten, deren Zahl sich mit der Wohnerschließung des Dietmayr-Angers noch einmal erhöhen wird, und mit Personen, deren Zielpunkt im Weilheimer Süden liegt. Der Freistaat Bayern würde im Rahmen der Initiative allerdings nur den Bahnsteig errichten, für die Infrastruktur wie Zuwegung, Parkplätze Fahrradständer, Toilette, Stadtbusanschluss, etc. müsste die Stadt Weilheim sorgen und aufkommen (grobe Schätzung bis zu 500.000€). Auch die Weilheimer Agenda und Pro-Bahn, eine Interessensvertretung der Bahnnutzer, sehen den Bedarf und erwarten darüber hinaus zukünftig eine  Veränderung im Verkehrsverhalten der Bürger. Ihre Einschätzung, dass für eine ausreichende Sinnhaftigkeit auch das Fahrgast-potential des Gewerbegebiets Trifthof mit erschlossen werden müsste, teilen auch die BfW und alle anderen Stadtratsfraktionen.

Doch wie sieht der Bedarf für den Bahnhaltepunkt in der Realität aus, wie ist die objektive Situation? Wie der Direktor des Weilheimer Gymnasiums auf einer Diskussionsveranstaltung ausführte, kommen alle Fahrschüler aus Peißenberg mit dem Bus zum Gymnasium.  Sie können so an Haltestellen in der Nähe ihrer Wohnstätten zusteigen und werden direkt zur Schule gefahren. Zur Weilheimer Realschule sind aus Richtung Peißenberg keine Fahrschüler zu erwarten, da diese Schulart  dort auch vertreten ist. Verbleiben noch potentielle Nutzer aus Richtung Dießen, Raisting (Wielenbach hat ja leider keinen Bahnhof mehr). Da allerdings auch Dießen mittlerweile ein Gymnasium besitzt, ist der Bedarf aus dieser Richtung ebenfalls nicht besonders hoch anzunehmen. Gemäß einer Umfrage der Schülermitverwaltung der Realschule ist das Interesse der Realschüler an dem Haltepunkt gering, viele Schülerinnen würden nach wie vor den Weilheimer Bahnhof bevorzugen, da sie sich dort beim  Warten auf den Zug sicherer fühlten.                                                                                                              

Bei am Trifthof Beschäftigten aus Richtung Peißenberg und Hohenpeißenberg sieht es ver- mutlich ähnlich aus wie bei den Gymnasiasten. Die Wohngebiete in den genannten Orten sind meist so weit von den Bahnhöfen entfernt, dass eine Fahrt zum jeweiligen Bahnhof, die Bahnfahrt und der Weg vom Weilheimer Bahnhaltepunkt zur Arbeitsstätte die Fahrt von und zur Arbeit zeitlich wesentlich verlängern würden. Mit dem Auto ist der Trifthof von Peißen-berg aus in wenigen Minuten erreichbar und Parkplätze stehen an den Betrieben in der Regel ausreichend zur Verfügung. Bei Beschäftigten aus den Bereichen Dießen oder Raisting gestaltet sich die Situation eher etwas günstiger. Für München-Pendler aus den Wohngebie-ten im Weilheimer Südwesten hingegen ist die Nutzung wieder eher uninteressant. Wer steigt schon in der Au in den Zug aus Richtung Schongau, um 800 Meter weiter auf die Werdenfelsbahn umzusteigen, vor allem bei den damit verbundenen Anschlussrisiken und dem eigentlich kurzen Weg zum Bahnhof. Bei Pro-Bahn besteht allerdings die Hoffnung, dass es zukünftig einmal durchgängige Züge von Schongau in Richtung München geben könnte. Diese Option erscheint bei der dichten Taktung auf der eingleisigen Werdenfelsstrecke aber nur nach einer Ertüchtigung mit einem zweiten Gleis als realistisch. Das ist dann wohl  doch eher ferne Zukunftsmusik.

Grundsätzlich ist uns Bürgern für Weilheim der Ausbau des ÖPNV sehr wichtig, um mit einem verbesserten Angebot Anreize  zur Nutzung alternativer Verkehrsmittel zu schaffen. Um beim Bahnhalt in der Au wirklich einen positiven Effekt zu erhalten, müsste allerdings ein umfangreiches Gesamtpaket an Infrastruktur geschnürt werden. Damit das Fahrgast-potential voll ausgeschöpft werden kann, muss unbedingt eine Verbindung zum Trifthof hergestellt werden, egal ob der Bahnsteig nun im Westen, wie momentan geplant, oder im Osten im Zwickel der Bahnlinien gebaut wird, wie von Pro-Bahn  gefordert. Zu diesem Zweck  könnte eine Fußgänger- und Fahrradunterführung mit Kosten von grob geschätzt 500 000€ gebaut werden. Als Alternativlösung könnte eine Wegführung im Zwickel der Gleise vom Trifthof zum Bahnübergang mit zusätzlicher Schrankenanlage für die Fußgänger und Radler errichtet werden. Beide Einrichtungen würden auch ohne Bahnhalt der besseren Erschließung des Trifthofs dienen und die derzeitige Situation mit gefährlichen Querungen der Garmischer Bahnlinie entschärfen.

Wenn man die genannten Infrastrukturmaßnahmen für ein sinnvolles Funktionieren tatsächlich umsetzen würde, müsste man also voraussichtliche Kosten von etwa 1Mio EURO ansetzen. Es soll nun noch einmal mit dem Innenministerium und der Bahn darüber gesprochen werden, ob die angeführten Erschließungsvarianten für einen Zugang zum Trifthof genehmigungsfähig wären und wie es mit einer Kostenübernahme dafür aussieht.

Erst wenn alle Informationen vorliegen, kann eine endgültige Entscheidung zum Thema Bahnhalt in der Au getroffen werden. Für die Abwägung sollte eine sorgfältige Kosten/Nutzen Analyse  zu Grunde gelegt werden, denn nur wenn möglichst viele Weilheimer den Bahnhalt auch nutzen können, ist es gerechtfertigt, dass alle Weilheimer ihn bezahlen.